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In etwas bewandert sein

Das zweite Quartal dieses eigentümlichen Jahres hat begonnen.

Irgendwann hat es angefangen, dass uns bewusst wurde, in einer Zeitschleife zu stecken. Dieses Zwischen fühlt sich für diejenigen, die arbeiten gehen, für diejenigen, die zuhause arbeiten müssen oder dürfen, für die mit Garten und für die mit kleinen Wohnungen, für die mit vielen Mitbewohner:innen, für die Einsamen oder die Großfamilien, für die Armen, für die weniger oder die gut Betuchten sehr unterschiedlich an. Unterschiedliches steht im Fokus der Sorge, unterschiedliche Strategien müssen alle im Umgang mit der Spannung zwischen Anforderung und Ausgebremstsein, zwischen Bevormundung und Selbstbestimmung finden.

Im geschlossenen Raum sprechen die Dinge anders – Vor zwei Jahren waren unsere Ausstellung von den Überlegungen zu Innen und Außen, von der Frage nach dem zugestandenen Raum für Individualität, von Abgrenzung und Sozialisierung geprägt. Erschreckend konkret betreffen diese Fragen jetzt uns alle direkt – wir werden sie also neu stellen müssen. 

Dieses Jahr sollte ein eigenwilliges Konsumvereinsjahr werden – in unserem Jubeljahr wollten wir Gruppenausstellungen mit Künstler:innen aus den letzten zwanzig Jahren, kuratiert von Künstler:innen, mit denen wir schon arbeiteten. „Zeitwerke“ führten über den Jahreswechsel, „Körper als Fläche im Raum“ oder „Jede Menge Ordnung“ folgte und jetzt …

Jetzt warten wir. Wir vermissen die Begegnung mit der Kunst, das ihr Ausgesetztsein, das Zwiegespräch, das nur in der direkten Auseinandersetzung mit ihr möglich ist.

„Reisen als Zeichnen in der Zeit“ wird unsere nächste Ausstellung sein. Esther Ernst hat Künstler:innen versammelt, zu deren Kunst die Bewegung gehört, die reisend die Welt erfahren, die etwas bewandern und in etwas bewandert sind. Diesen besonderen Umgang mit Raum und Zeit können wir lesen als Reflexion auf die unmittelbare Gegenwart und ist doch im Inneren der Künstler:innen als Kern der jeweiligen Kunst verankert.

Wir freuen uns und warten in der Zeitschleife.

In dieser werden wir die Grenze zwischen analog und digital versuchen, durchlässiger zu gestalten: Durch Vermittlungsangebote, durch Erinnerungen, durch Gespräche und durch Nachrichten aus den Ateliers.